WEBVTT

NOTE
Podcast: Gespräche über LongCOVID
Episode: LCP03: Gespräch mit Bodo Ramelow
Publishing Date: 2023-01-31T18:01:28+01:00
Podcast URL: https://locopoca.de
Episode URL: https://locopoca.de/lcp03-gespraech-mit-bodo-ramelow/

00:00:00.053 --> 00:00:13.337
Herzlich willkommen bei dem Long Covid Podcast. Wir sprechen über das Long Covid-Syndrom, über die Betroffenen. Und heute in der heutigen Sendung wird es mal nicht nur um den medizinischen und Forschungsaspekt gehen,

00:00:13.449 --> 00:00:21.737
sondern wir werden uns heute ein bisschen informieren über die Auswirkungen von Long Covid im Bundesland.

00:00:21.737 --> 00:00:30.220
Und dazu freue ich mich sehr, dass mir gegenüber der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Herr Bodo Homelow, sitzt. Herr Ramelow, herzlich willkommen bei uns im Podcast.

00:00:30.535 --> 00:00:44.697
Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen reden und Antwort stehen darf. Ja, Herr Ramelow, die, kann ich sagen, die guten Nachrichten reißen gerade nicht ab, was Corona betrifft, zumindestens, wenn man sich die Forschungslandschaft betrachtet,

00:00:44.768 --> 00:00:48.897
die viele Forscherinnen und Forscher sind der Meinung, dass die Pandemie sich dem Ende entgegenneigt.

00:00:48.897 --> 00:00:50.214
Die Inzidenzen gehen runter.

00:00:50.835 --> 00:00:57.417
Also von der Seite her sieht das ja recht gut aus. Allerdings, wenn wir jetzt den Blick auf das Thema Long-Covid lenken,

00:00:57.965 --> 00:01:06.897
gibt es natürlich viele Menschen, die noch betroffen sind von der Erkrankung, die seit längerem leiden und wahrscheinlich auch längere Zeit damit beschäftigt sein werden.

00:01:06.897 --> 00:01:17.761
Wenn Sie jetzt Ihren unmittelbaren Wirkungsbereich betrachten, also die Staatskanzlei beziehungsweise auch die Landesbehörden, spüren Sie da eine Auswirkung von Long-Covid? Haben Sie eine große Zahl an Erkrankten, Langfristerkrankten?

00:01:18.337 --> 00:01:19.868
Gibt es da irgendwelche Auswirkungen in dem Bereich?

00:01:20.750 --> 00:01:33.524
Es gibt keine unmittelbare Erhebung, wie viele tatsächlich Long-Covid-Erkrankte sind, weil das Long-Covid-Syndrom ja leider auch häufig falsch diagnostiziert worden ist.

00:01:34.046 --> 00:01:38.538
Deswegen ist meine Vermutung, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist, wie das, was ich formell weiß.

00:01:39.448 --> 00:01:52.573
Aber tatsächlich ist es so, ich habe das erste Mal mit dem Long-Covid-Syndrom vor zwei Jahren zu tun gehabt, Als ich eine Wanderung gemacht habe mit dem Bundespräsidenten und dem damaligen Ministerpräsidenten,

00:01:52.789 --> 00:01:58.307
von Hessen, Volker Bouffier, wir sind auf der alten innerdeutschen Grenze gewandert,

00:01:58.802 --> 00:02:03.700
und da war ein Bürgermeister dabei aus einer der Gemeinden, durch die wir gewandert sind.

00:02:04.060 --> 00:02:09.101
Ein junger, starker, eigentlich strahlend aussehender Mensch.

00:02:09.569 --> 00:02:12.918
Man sah ihm an, dass er mit Freude Bürgermeister ist.

00:02:13.620 --> 00:02:17.869
Wir kommen so ins Gespräch und er sagt, ich kann nicht mehr.

00:02:18.643 --> 00:02:26.376
Da bin ich hellhörig geworden. Dann sagt er, ich habe Covid gehabt. Das ist 3 Monate, 4 Monate her.

00:02:26.466 --> 00:02:27.853
Das war gar nicht viel.

00:02:28.087 --> 00:02:35.257
Es war nur eine ganz leichte Covid-Erkrankung. Der Arzt hat dann festgestellt, der PCR-Test hat das belegt.

00:02:35.739 --> 00:02:36.697
Das war Covid, alles klar.

00:02:38.124 --> 00:02:45.128
Und jetzt ist es so, es ist was wiedergekommen, das kann ich mir gar nicht erklären. Ich komme nicht hoch und ich kriege rasende Kopfschmerzen.

00:02:46.019 --> 00:02:59.734
Und da habe ich ihn angeguckt und habe gesagt, na das, also Ihre optische Eindruck ist ja eine ganz andere Sache. Sie glauben gar nicht, wie viel Kraft ich gerade aufwenden muss, weil ich den Termin mit dem Bundespräsidenten einhalten wollte und mit Ihnen.

00:02:59.883 --> 00:03:04.771
Aber es kostet mich alle Kraft, die ich überhaupt noch mobilisieren kann.

00:03:05.176 --> 00:03:14.484
Eigentlich würde ich mich jetzt am liebsten in ein dunkles Zimmer zurückziehen und wieder hinlegen. Da habe ich das erste Mal so richtig unmittelbar von dem, was ich bis dahin ab und zu mal gelesen habe.

00:03:15.331 --> 00:03:29.248
Seitdem lässt mich das nicht mehr los. Ich kann aber auch sagen, mein eigener Mitarbeiter hier im Vorzimmer, ein junger Mann, sportlich, gut trainiert, hat schon so seltsam reagiert auf die Impfung.

00:03:29.824 --> 00:03:33.380
Also schon bei den Impfungen war er derjenige, der am längsten im Bett gelegen hat.

00:03:34.100 --> 00:03:48.495
Ich, alter Hirsch, geimpft, gar nichts. Als ich Covid hatte, gar nichts. Also wenn der PCR-Test nicht das angezeigt hätte, wäre ich nie davon ausgegangen, dass ich tatsächlich das Virus trage.

00:03:48.855 --> 00:03:53.032
Insoweit sind unsere Erfahrungen, die wir als Menschen gemacht haben, so unterschiedlich.

00:03:54.049 --> 00:04:10.859
Und der Teil der Menschen, die dann tatsächlich mit diesem Syndrom, dass der Körper fertig ist, dass der Körper Signale gibt, die irgendwie völlig unklar sind, aber die Einschränkungen des Lebens so massiv sind,

00:04:10.859 --> 00:04:18.311
dass diese Anzahl der Menschen, mit denen ich dann zu tun hatte, hat auf einmal mein Bewusstsein geschafft,

00:04:18.923 --> 00:04:21.179
dass wir es noch mit einer ganz anderen Ebene zu tun haben.

00:04:21.179 --> 00:04:25.422
Wir haben uns sehr lange nur mit der Abwehr von Infektionen beschäftigt.

00:04:26.179 --> 00:04:40.258
Dann haben wir uns sehr intensiv beschäftigt mit der Frage, wie kann man dieses Virus bändigen? Wie kann man es ihm einen anderen Verlauf geben? Wie mutiert es denn? Kann man Einfluss darauf nehmen?

00:04:41.179 --> 00:04:52.492
Alles das ist Gegenstand der Forschung in der Aktivierungsphase. Da geht es aber darum, die Pandemieabwehr zu betreiben und die deutliche Ansteckungsreduktion.

00:04:52.573 --> 00:05:06.239
Und das, was sozusagen in der Mehrzahl der veröffentlichten Berichte völlig untergegangen ist, sind die Menschen, die auf einmal nicht wissen, wie ihr Leben weitergeht.

00:05:06.725 --> 00:05:13.779
Und diese Dramatik, die ich gespürt habe, wenn ich mit Betroffenen geredet habe, dass sie nicht abschätzen können.

00:05:14.026 --> 00:05:19.544
Ein Mensch, der ein gebrochenes Bein hat, weiß, wie sein Heilungsprozess ist und der erlebt sein Heilungsprozess.

00:05:20.102 --> 00:05:34.389
Ein Mensch, der dieses Long-Covid-Syndrom auf einmal mit sich trägt und ausgeprägt erlebt, weiß nicht, wann es endet. Und das macht fertig. Also das macht psychologisch fertig.

00:05:35.118 --> 00:05:37.779
Insoweit ist es für mich tatsächlich.

00:05:38.638 --> 00:05:48.972
Eine große Herausforderung, mich damit auseinanderzusetzen. Und das war ja auch der Grund, warum ich zum Kongress nach Jena gefahren bin, einfach um deutlich zu machen, wir haben einen Blick drauf.

00:05:49.774 --> 00:05:58.551
Und Politik, wenn es die Weichen stellt, muss ich mit den Fragen beschäftigen, was heißt das eigentlich, wenn jemand, der so eingeschränkt sein Leben noch leben kann,

00:05:59.199 --> 00:06:05.288
wenn der einen Rentenantrag stellen muss, können wir das jetzt mal beschleunigt organisieren?

00:06:05.288 --> 00:06:06.959
Wie kann das begleitet werden?

00:06:07.436 --> 00:06:11.946
Was an Unterlagen muss vorgelegt werden, weil es ist ja alles komplett Neuland.

00:06:12.468 --> 00:06:19.094
Das stimmt. Und wenn Sie gerade schon die Auswirkungen mit ansprechen, dann würde ich gerade den Blick auch gerne mal weiten auf das Land Thüringen.

00:06:19.625 --> 00:06:26.026
Können Sie abschätzen oder gibt es irgendwo Abschätzungen, was gerade die Anzahl der Long-Covid-Betroffenen im Land betrifft?

00:06:26.458 --> 00:06:34.288
Also können Sie sagen, wie viele Betroffenen es gibt? Und kann man jetzt schon abschätzen, was für Auswirkungen das für das Land Thüringen so in der nächsten Zukunft haben wird?

00:06:34.974 --> 00:06:53.996
Nein, verlässlich kann ich die Zahlen so nicht nennen. Das müssen unsere Wissenschaftler vom Universitätskranken aus Jena wesentlich besser einschätzen können. Meine Vermutung ist nur, dass wir bei denen, die mit dem Syndrom tatsächlich sich auseinandersetzen müssen.

00:06:54.688 --> 00:07:07.193
Dass wir dort mit einem hohen Ausfall an Produktivkräften für unser Land zu rechnen haben. Weil diese Menschen müssen sich selbst organisieren. Also es ist auch eine Dramatik, weil ein,

00:07:07.728 --> 00:07:12.513
großen Teil, den ich da im Moment sehe und den ich wahrnehme, sind jüngere Leute.

00:07:13.144 --> 00:07:24.128
Also wir reden nicht von der Übersterblichkeit, die wir im aktiven Corona-Phase hatten. Da sind sozusagen die alten und sehr alten Menschen gewesen,

00:07:24.128 --> 00:07:32.588
die auf einmal eine höhere Versterbungsrate hatten. Wir haben ja tatsächlich eine Lebensalterdurchschnittsverjüngung in Thüringen jetzt erlebt.

00:07:34.299 --> 00:07:48.144
Nicht weil mehr geboren sind, sondern weil ein Teil der älteren Menschen verstorben ist. Und man sieht an den Zahlen, die sind eindeutig, dass es Corona-bedingte Überstaublichkeit gegeben hat.

00:07:48.775 --> 00:07:57.345
Das ist aber immer nur in Verbindung mit der Corona-Pandemie, also mit der ersten Virusauswirkung auf den Körper.

00:07:58.542 --> 00:08:01.558
Und wir haben in der Phase am Anfang...

00:08:02.656 --> 00:08:16.254
Sehr stark damit zu tun gehabt, dass die Lungeneinbrüche, also das Zusammenbrechen der Lunge, eines der größten Themen war. Also wie kriegen wir genügend Betten, Beatmungsplätze, intensivmedizinische Betreuung?

00:08:16.254 --> 00:08:37.014
Halten wir das durch? Haben wir die Kapazitäten dafür? Wir haben ja französische Patienten auch in der Lungenfachklinik am Harz in Neustadt gepflegt. gepflegt. Wir hatten ein Corona-Team in der Lombardei in Italien, die direkt in der schlimmsten

00:08:37.014 --> 00:08:43.913
Phase der Pandemie in der Lombardei auch geholfen haben. Und auch da wieder der Blick jetzt,

00:08:44.030 --> 00:08:57.294
auf das, was wir mit Long Covid haben. Ich denke, dass eine signifikant große Zahl von Menschen sich damit auseinander setzen müssen oder sich auch damit auseinandersetzt, dass

00:08:57.294 --> 00:09:07.814
Rentenstatus ansteht, von dem man nicht absehen kann, ob vielleicht später wieder eine Vitalität entsteht. Das ist ja genau das, was niemand beantworten kann. Deswegen müssen wir uns

00:09:07.814 --> 00:09:20.121
auch mit der Forschungsseite viel intensiver beschäftigen. Und das ist das, was ja in diesem Kongress in Jena das Hauptthema war. Und noch da die Kuriosität am Rande, dass dann da,

00:09:20.214 --> 00:09:25.540
30 Corona-Leugner noch vor der Tür stehen und warten, ob Lauterbach kommt, um ihn beschimpfen.

00:09:25.900 --> 00:09:39.214
Zu wollen und mir dann noch dumme Sachen hinterhergerufen haben, wo ich gedacht habe, wie ignorant muss man eigentlich sein, wenn 1000 Betroffene da sind aus ganz Deutschland, die froh sind, dass endlich mal die Wissenschaft sich die.

00:09:39.791 --> 00:09:43.154
Türen öffnet und die Ohren öffnet.

00:09:42.266 --> 00:09:50.908
Man miteinander ins Gespräch kommt, auch kritisch ins Gespräch kommt über die Mängel, die noch zu bewerten sind, wo sozusagen die amtlichen Seiten.

00:09:52.088 --> 00:10:02.386
Also die rententechnischen, die krankenkassentechnischen, die versorgungsrechtlichen, all diese Fragen stehen ja alle im Raum mit einem Krankheitssyndrom,

00:10:02.818 --> 00:10:14.836
das in dieser Form, in der Komplexität, tatsächlich eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft ist, Denn dieser Teil wird ein sichtbarer Teil sein, der leidet.

00:10:15.187 --> 00:10:17.699
Und dieses Leiden ist lange nicht wahrgenommen worden.

00:10:18.428 --> 00:10:25.522
Da haben Sie ganz recht. Und ich muss sagen, ich habe den Kongress auch mitbesucht. Und mich hat es auch sehr schockiert, diese Leute, die da draußen standen.

00:10:25.596 --> 00:10:28.412
Weil ich nehme das als wissenschaftlichen Fachkongress auch war.

00:10:29.303 --> 00:10:31.617
Ich fand das also auch sehr unpassend.

00:10:32.544 --> 00:10:36.568
Sie haben schon gesagt, dass sich verschiedene Betroffene an Sie gewandt haben beziehungsweise mit Ihnen gesprochen haben.

00:10:37.936 --> 00:10:50.548
Wenn Sie so mal rekapitulieren, was die Leute so vielleicht wollten, was Ihre Wünsche waren, können Sie unseren Hörern vielleicht noch mal sagen, was den Menschen am Herzen gelegen hat in den Gesprächen, die sie mit Ihnen geführt haben?

00:10:50.611 --> 00:10:52.529
Ich beginne noch mal mit dem Bürgermeister.

00:10:53.141 --> 00:11:02.233
Der Bürgermeister sagt mir, sein psychisch größter Druck, den er hat, ist, dass er nicht weiß, was eigentlich sein Körper da gerade macht.

00:11:03.124 --> 00:11:10.326
Und dass die Bürger in seiner Gemeinde, er denkt, dass die Bürger in der Gemeinde über ihn denken, dass er ein Simulant ist.

00:11:11.443 --> 00:11:23.916
Also er denkt, dass die anderen denken, weil das nicht aussprechbar ist. Was habe ich denn eigentlich? Ein Beinbruch sieht man, Armbruch sieht man, irgendwelche anderen Handicaps sieht man.

00:11:24.541 --> 00:11:26.620
Bei Krebs schauen wir erstmal schockiert.

00:11:27.260 --> 00:11:34.436
Das ist alles, was sozusagen zu dem eingeübten Art des menschlichen Umgangs zählt.

00:11:36.991 --> 00:11:44.364
Aber bei Long Covid, es sagt jemand, meine Vitalität ist weg. Es kann auch sein, dass irgendjemand brüllt und sagt, steh doch einfach mal auf.

00:11:45.084 --> 00:11:51.778
So, was bist du denn? Warum hängst du da jetzt so rum? Oder der Vorgesetzte sagt, wie, du kannst jetzt nicht mehr?

00:11:52.169 --> 00:11:53.778
Nein, ich hab Kopfschmerzen.

00:11:54.491 --> 00:11:59.569
Oder ich brauch einen Moment Pause. Aber ich weiß nicht, wie lange ich wirklich Pause brauche.

00:11:59.778 --> 00:12:03.737
Und wenn der psychische Druck dazu kommt, dann wird die Verschlimmerung gerne auch mehr.

00:12:04.322 --> 00:12:32.067
Und deswegen war ich froh zuzuhören, zumindest in dem Teil, wo ich noch anwesend war, wo die eine Sprecherin genau das beschrieben hat, dass es ihr genauso gegangen ist und dass wohl alle durch diesen selben Ring erst mal springen müssen, bis sie begreifen, ich habe das, ich nehme das auch für mich an. Aber die Erlebnisse vorher, weil das haben ja einige geschildert in den Gesprächen dort,

00:12:32.688 --> 00:12:35.101
dass Ärzte Unverständnis gezeigt haben.

00:12:35.524 --> 00:12:47.785
Oder in dem Druck ärztlicher medizinischer Betreuung solche Menschen erstmal beiseite geschoben worden sind. Nach dem Motto, es ist ja nicht so schlimm, man sei ja nichts oder was erzählt der da?

00:12:48.163 --> 00:12:58.498
Also ich glaube tatsächlich, die Akzeptanz kann erst wachsen, wenn wir beschreiben, was da passiert und wenn diejenigen, die sich in der Beschreibung wiederfinden, sagen,

00:12:58.615 --> 00:13:10.778
ich nehme das für mich an. Das ist meine Krankheit und es ist eine Krankheit. Ich will Ihnen nochmal ein anderes Beispiel sagen, warum ich da sehr sensibel bin. Ich bin Legastheniker.

00:13:11.965 --> 00:13:23.128
Damit bin ich aufgewachsen, ohne es zu wissen. Ich habe eine beschissene Schulzeit erlebt, weil dieser Teil meines Problems nicht erkannt worden ist.

00:13:23.830 --> 00:13:32.742
Erst im zweiten Bildungsweg, als ich erwachsener war, hat dann mal eine kluge Lehrerin gesagt, gehen Sie mal zum Schuldenpsychologen, irgendwas stimmt bei Ihnen nicht.

00:13:33.246 --> 00:13:37.576
Also, dieses stimmt bei Ihnen nicht. Wer möchte schon für sich sagen, bei mir stimmt was nicht?

00:13:38.171 --> 00:13:51.458
So, und wie befreiend war es für mich, als dann für mich als erwachsener Mensch auf einmal klar war, Ich habe einen Handicap. Dieses Handicap ist vorhanden, real vorhanden.

00:13:51.458 --> 00:13:58.732
Das bilde ich mir nicht ein. Es bilden sich auch nicht andere über mich ein, sondern es ist einfach mein Handicap. Und dieses Handicap sieht man nicht.

00:13:59.119 --> 00:14:07.671
Erst wenn ich anfange zu schreiben und mache Schreibfehler, dann sehen andere und die Kulturtechnik ist immer zu sagen, oh, der kann ja nicht mal schreiben.

00:14:08.499 --> 00:14:17.938
Heute habe ich gelernt, mich darüber lustig zu machen. Also wenn auf Facebook mir jemand drunter schreibt, der kann ja nicht mal richtig schreiben, schreibe ich drunter. Danke für den Hinweis, das hätten Sie auch lesen

00:14:17.938 --> 00:14:28.898
können. Steht in meiner Vita, ich bin Legastheniker, mache meine Fehler alle selber und stehe zu jedem einzelnen Fehler. Ich erzähle das nur deshalb.

00:14:28.268 --> 00:14:49.928
Ich will Legasthenie nicht mit Long-Covid vergleichen, aber die Frage, wann erkennt man etwas, wann kann man es akzeptieren und wann weiß man, dass man aus dem, was man akzeptiert, möglicherweise erstmal Stabilisierungsschritte sich entwickeln, ohne zu wissen, das ist ja das Besondere. Also Legasthenie hört nie auf. Man kann nur trainieren und Erfahrungen sammeln.

00:14:50.891 --> 00:15:00.946
Der Schaltfehler offenkundigt, so stelle ich mir das jedenfalls vor, der Schaltfehler im Gehirn ist halt da. Also kann ich trainieren, wie ich den Schaltfehler umgehe.

00:15:01.541 --> 00:15:11.118
Der Long-Covid-Patient muss erstmal für sich akzeptieren, dass er eine Krankheit hat. Und dass diese Krankheit häufig nicht anerkannt wird, weil sie nicht begriffen wird.

00:15:11.911 --> 00:15:22.021
Wird. Das ist der Spannungsbogen, bei dem wir dann auch auf der Seite der Betroffenen mehr Werbung machen müssen in die Gesellschaft hinein, weil möglicherweise dann wiederum,

00:15:22.462 --> 00:15:34.718
Fähigkeiten entstehen oder Teilfähigkeiten, die man für sich nutzen kann, um einigermaßen damit klarzukommen, wenn das gelingt. Also wenn mein Bürgermeister wieder anfängt,

00:15:34.718 --> 00:15:42.564
auf die Füße zu kommen und falls ihn jemand anspricht, wieso er jetzt ein paar Minuten dass er sagen kann, ich brauche das für mich.

00:15:43.329 --> 00:15:51.440
Damit mein Leben einigermaßen gut klargeht, ich meine Aufgabe auch erfüllen kann, gestattet mir bitte, dass ich zwischendurch auch mal Pause mache.

00:15:51.918 --> 00:16:03.918
Sie hatten in dem Gespräch gerade schon angesprochen, dass es viele Hausärztinnen und Hausärzte gibt, die das Problem vielleicht gar nicht kennen, oder auch bei ihren Patientinnen und Patienten, die einen anderen kennen.

00:16:04.178 --> 00:16:10.687
Was ich im Gespräch mit Wissenschaftlern so raushöre, Informationsfluss gibt zwischen den Hausärztinnen vor Ort und der Wissenschaft.

00:16:12.316 --> 00:16:17.758
Jetzt würde ich Sie gerne fragen, als Ministerpräsident gibt es eine Möglichkeit für das Land, diesen Informationsfluss zu verbessern?

00:16:17.758 --> 00:16:28.376
Kann man da, ich sage mal, angefangen von Flyern über Konferenzen, über andere Informationsangebote, das Stärken, gibt es da auf der Theorie-Ebene was oder auch praktisch, was schon irgendwie umgesetzt wird?

00:16:28.854 --> 00:16:33.598
Also erstmal ist es so, dass wir im Universitätskrankmaus Jena und dem ganzen Forschungsverbund aus.

00:16:35.452 --> 00:16:43.902
Jetzt starke Akteurinnen haben, die sich genau darum kümmern. Das Land kann nicht anfangen, als Land irgendwas zu machen.

00:16:43.902 --> 00:16:51.881
Die Landesregierung kann nicht irgendwie dem Hausarzt irgendwas schicken, sondern wir müssen Akteurinnen in die Lage versetzen, ihre eigene Situation zu beschreiben.

00:16:52.313 --> 00:17:02.261
Wir müssen wissenschaftliche Gutachten dazu vervollständigen. Wir müssen Krankheitsverläufe systematisieren, damit sie in die Anerkennungsverfahren reingehen.

00:17:02.711 --> 00:17:12.302
Daraus entsteht dann tatsächlich mehr Öffentlichkeit und mehr Klarheit. Das haben wir immer in der Gesellschaft.

00:17:12.794 --> 00:17:24.302
Wenn neue Erkenntnisse über Krankheiten kommen, dann merkst du, wie, also ich will das mal am Beispiel von Leukämie sagen, über die Spendenaktionen ist viel Bewusstsein gewachsen.

00:17:25.082 --> 00:17:39.302
Also melde dich an auf der Spendendatenbank, dass du Knochenmarkspender sein möchtest. Diese Fragestellung der Knochenmarkspende hat zu einem breiteren Bewusstsein geführt.

00:17:39.818 --> 00:17:53.169
Deswegen wird man das sich den mühseligen Weg jetzt nicht ersparen können, dass wir genügend Material brauchen, das Erkennbare und früher Erkennbare bei den Betroffenen es schafft.

00:17:53.340 --> 00:18:05.538
Weil wenn der Betroffene auch zu seinem Hausarzt gehen kann und kann sagen, ich habe das und das jetzt gelesen, ich habe das und das mitgebracht, wenn wir das also auch Betroffenen zur Verfügung stellen. Deswegen spielt da Selbsthilfe eine ganz große Rolle.

00:18:05.961 --> 00:18:15.485
Weil über die Selbsthilfe können wir dann auch wiederum einen Fluss nehmen auf Bewusstseinsbildung, Wahrnehmung auch der begleitenden Hausärzte.

00:18:16.359 --> 00:18:23.344
Neben den Hausärzten gibt es ja auch gerade in Jena, wo ich jetzt mit herkomme, die recht bekannte Long-Covid-Ambulanz.

00:18:24.155 --> 00:18:28.638
Die klagen natürlich auch, dass sie sehr viele Patientinnen und Patienten auf ihrer Warteliste haben.

00:18:29.169 --> 00:18:37.307
Und mein Eindruck als Laie wäre, dass es eine gute Sache wäre, dass es viele so eine Long-Covid-Praxen gäbe, wo sich auch die Patienten dann hinwenden können.

00:18:38.288 --> 00:18:46.782
Die Frage ist, ist sowas geplant, dass noch weitere so eine Praxen in Thüringen errichtet werden, die sich nur um Long-Covid-Patienten kümmern oder würden Sie einen anderen Weg vorschlagen?

00:18:46.782 --> 00:18:58.822
Und wenn das der Fall ist, welcher wäre das? Also die Long-Covid-Praxis im UKJ ist ja eine bewusste Entscheidung des Universitätskranken aus Jena gewesen, um daraus auch den Forschungsverbund,

00:18:58.885 --> 00:19:09.940
gleichzeitig mit abzusichern. So ist ja auch die Idee über diese Vertretungen, die da tagtäglich täglich am Patienten arbeiten, in Richtung des Kongresses entstanden.

00:19:10.453 --> 00:19:19.348
Interessant war für mich und deswegen sage ich, ich bin interessierter, ein interessierter Mensch, aber nicht der fachlich zuständige.

00:19:19.789 --> 00:19:22.862
Weil das interessante für mich war zu hören, wie viel aus dem Bereich der.

00:19:24.011 --> 00:19:34.768
Psychischen Forschung mit dazu geführt hat, dass dieser Kongress entstanden ist. Und den Blick habe ich gar nicht gehabt. Ich habe jetzt immer an den Allgemeinmediziner gedacht.

00:19:35.228 --> 00:19:45.771
Aber tatsächlich ist mir dann deutlicher geworden, dass einer der treibenden Akteure dabei tatsächlich die psychische Beeinträchtigung ist, die sozusagen das alles noch verschärft.

00:19:46.336 --> 00:19:58.171
Und dann gibt es etwas, von dem ich fachlich viel zu wenig Ahnung habe. Das ist die Frage, wie hat sich das Virus tatsächlich auf die Nervenbahn im Körper gelegt?

00:19:58.624 --> 00:20:09.771
Welche Konsequenzen, welche falschen Botschaften sind möglicherweise in das Nervensystem hineingegangen? Damit müssen sich die Forscher viel intensiver beschäftigen.

00:20:10.093 --> 00:20:16.371
Also damit beschäftigen sie sich sehr intensiv. Deswegen war ich da neugierig zu hören.

00:20:16.953 --> 00:20:41.142
Weil so ist die ja. Ich habe in dem Kontext mal gehört, dass das Erscheinungsbild, das man da sieht, oberflächlich betrachtet an Parkinson erinnert. Weil auch da sozusagen Nervenenden beeinflusst werden. Aber wie gesagt, ich bin weder der Forscher noch der Mediziner, der das jetzt fachlich beurteilen kann.

00:20:41.511 --> 00:20:56.671
Beurteilen kann. Ich bin der interessierte Leier, der hinhört, der bestimmte Sachen dann mal mitnimmt, um daraus eigene Sichtweisen auch entwickeln zu können. Ich gehe davon aus, dass die Frage von Long Covid.

00:20:58.201 --> 00:21:21.031
Allianzen, die sich noch zwischen mehreren bilden müssen, dass das Dinge sind, die in Krankenhäusern und in Regionalpraxen gut aufgesetzt sind und gut ankommen würden. Aber ich glaube, dass alles das, was wir an Strukturen haben, derzeit bei der medizinischen Überlastung, die wir insgesamt haben,

00:21:21.823 --> 00:21:27.450
Bei der Corona-Inzidenzbelastung, die wir vorher hatten, das hat ja auch zu Verschleiß geführt.

00:21:27.972 --> 00:21:29.916
Dass das alles noch ein langer Weg ist.

00:21:31.204 --> 00:21:45.631
Wenn wir noch mal ganz kurz auf die Betroffenen mitschauen, eine Sache, die ich persönlich immer wieder mithöre, ist, dass die viele an so einer Mütigkeit leiden, vielleicht gar nicht aus dem Bett rauskommen oder die Wohnung nicht verlassen können.

00:21:45.631 --> 00:21:55.671
Und letztlich am Ende auf pflegerische Leistung angewiesen sind. Schwierigkeit ist es jetzt sozusagen, die ganze Beantragung zu machen, das stellt sich halt für große Herausforderungen.

00:21:55.671 --> 00:22:01.199
Und da höre ich schon wieder den Wunsch raus bei den Betroffenen, dass sie da gerne irgendwie eine Hilfeleistung hätten.

00:22:02.118 --> 00:22:16.701
Jetzt frage ich mal wieder Sie als Vertreter des Landes, ob es da Möglichkeiten gibt, für das Land zu agieren, sei es das Gesundheitsministerium oder andere Stellen im Land, wo wir den Betroffenen in Form von vielleicht Beratungen bei der Beantragung oder ähnlichen Sachen da Unterstützung geben können.

00:22:17.071 --> 00:22:24.479
Erstmal müssen wir den Nachweis führen, dass es diese Zusammenhänge gibt. Und ich darf Ihnen auch an dieser Stelle nochmal den Hinweis geben, Depression.

00:22:25.325 --> 00:22:37.071
Also bei Depression hat man das lange ignoriert und es ist lange ein Tabuthema gewesen. Heute wissen wir, dass Depression etwas ist, was nicht sichtbar ist, aber sehr real vorhanden ist.

00:22:37.154 --> 00:22:45.635
Der Depressionsbefund ist heute nur einer, der eher standardisiert da ist, also der eher angenommen wird.

00:22:46.184 --> 00:22:55.474
Deswegen gibt es da häufig auch Verwechslungen oder Vermischungen, wo man vielleicht vom Arzt eher gesagt kriegt oder von dem, der das zu entscheiden hat.

00:22:56.176 --> 00:23:01.711
Da könnte das nicht Depression sein und zack, ist man möglicherweise schon wieder auf dem falschen Feld.

00:23:02.766 --> 00:23:11.966
Da brauchen wir sozusagen die Befunde, die man standardisieren kann, damit daraus auch die schnelleren Empfehlungen entstehen können.

00:23:12.380 --> 00:23:14.172
Also das eine bedingt das andere.

00:23:14.604 --> 00:23:28.674
Und so habe ich auch den Kongress verstanden, dass das genau der Grund ist, um daraus diese Befunde eher in ein Raster hineinzubekommen, dass man sagt, also es gibt bestimmte Merkmale, wenn die erfüllt sind,

00:23:29.197 --> 00:23:31.186
dann haben wir es mit diesem Syndrom zu tun.

00:23:31.717 --> 00:23:39.450
Und wenn das der Fall ist, dann muss es auch dazu führen können, dass man die entsprechenden pflegerischen Unterstützungen auch beantragen kann.

00:23:39.684 --> 00:23:40.485
Und nochmal.

00:23:41.683 --> 00:23:56.446
Der, der einfach müde ist und für sich spürt diese Müdigkeit, aber nicht belegen kann, was das eigentlich ist, der kann auch sehr schnell angesprochen werden, dass er vielleicht einfach nur ein Brückeberger ist oder einfach nur ein Simulant ist.

00:23:56.770 --> 00:24:01.398
Und dann ist sozusagen die Verletzung, die damit verbunden ist, schon wieder riesengroß.

00:24:01.875 --> 00:24:16.613
Deswegen braucht es auch mehr tatsächlich ein Entstehungsmodell, das viel verbindlicher dann sagt. die und die Komponenten. Aber auch da war der Kongress ein offener, weil einzelne haben gesagt,

00:24:16.900 --> 00:24:23.013
also nicht jedes Syndrom passt zum anderen. Nicht alles ist automatisch das Long-Covid-Syndrom.

00:24:23.651 --> 00:24:40.116
Auch da muss man das sauber rausarbeiten, damit beides passieren kann. Nämlich eine Hilfsbegleitung, eine vielleicht pflegerische Unterstützung, aber eben auch eine medizinische Begleitung. Weil wenn das eine zum anderen nicht passt, ist es auch rumgefuhrwagt.

00:24:40.467 --> 00:24:51.053
Eine letzte Frage, die ich noch hier im Rahmen des Interviews habe, ist in Richtung der Forschung. Sie haben es schon angesprochen, es gibt ja von der Universität Jena dieses

00:24:51.053 --> 00:25:01.884
Watch-Projekt, wo quasi ein Bus durch das Land Thüringen fährt und dort auch verschiedene Untersuchungen mit vornimmt. Wenn man sich mit den Forschungen unterhält, äußern den natürlich auch ganz stark den Wunsch, dieses Projekt,

00:25:02.173 --> 00:25:12.894
weiterführen zu können, obwohl es natürlich auch sehr aufwendig ist, quasi die einzelnen Standorte zu besuchen. Daher erstmal so die Frage im Allgemeinen, würden Sie das unterstützen, dass es auch weiter Forschung gibt? Gibt es,

00:25:13.213 --> 00:25:16.853
vielleicht auch schon seitens des Freistaats Thüringen bestimmte,

00:25:17.395 --> 00:25:20.413
konkretere Planungen, Forschung da zu unterstützen?

00:25:20.413 --> 00:25:31.411
Was sagen Sie dazu? Also wir haben ja die ganze Zeit schon Gelder mobilisiert, um Forschung aktiv zu begleiten. Ich darf daran erinnern, Neustadt am,

00:25:32.093 --> 00:25:45.770
Rennsteig war der erste Ort, der gesperrt war, der sozusagen komplett abgeriegelt war als erster großer Infektionsherd, der ist mittlerweile forscherseitig mehrfach untersucht.

00:25:46.823 --> 00:26:01.803
Die Personen sind auch in der langfristigen Nachsorge mit einem Forschungsprojekt begleitet worden, damit wir sie abgleichen können mit entsprechenden Syndromen und Nachfolgesyndromen,

00:26:02.163 --> 00:26:08.014
die in Nordrhein-Westfalen in dem einen Ort gangelt gewesen sind.

00:26:08.329 --> 00:26:24.462
Die werden noch abgeglichen zueinander. um zu schauen, haben wir genügend Erkenntnisse, was alleine aus diesem Bereich abzuleiten ist. Eine zweite Geschichte, die mir spontan anfällt, ist ein Forscherteam, das sich damit beschäftigt hat,

00:26:24.601 --> 00:26:29.521
wie wir Abwassermonitoring machen. Das haben wir mittlerweile etabliert.

00:26:30.016 --> 00:26:42.601
Also das war vor drei Jahren noch völlig fremdes Gebiet, eine allgemeine Untersuchung von Kläranlagen auf das Virus und die Viruslast.

00:26:43.285 --> 00:26:56.510
Mittlerweile haben wir es standardisiert und nicht nur standardisiert, sondern auch etabliert. Und das, was das UKJ macht, ist erst mal im Rahmen seiner eigenen Souveränität,

00:26:56.960 --> 00:27:01.911
Also die Forscher der Universität Jena warten ja nicht, ob das Land ihnen irgendwelche Hinweise gibt,

00:27:02.469 --> 00:27:07.546
sondern sie nutzen ihre Kapazitäten, um daraus ihre Forschungsansätze zu definieren.

00:27:08.132 --> 00:27:18.277
Und dafür ist sehr viel Bundesgeld zur Verfügung gestellt worden. Und aus diesem Bundesgeld muss man jetzt einfach die Sorge tragen, dass das weiter nachhaltig begleitet wird.

00:27:19.870 --> 00:27:33.410
Vielleicht noch so eine letzte Frage, die ich gerne im Rahmen des Podcasts mitstelle. Gibt es aus Ihrer Sicht noch Sachen, die in einem Herzen liegen, die Sie unseren Hörern und Hörerinnen mitgeben wollen, die jetzt vielleicht im Rahmen des Interviews, im Rahmen meiner Frage, nicht besprochen worden ist?

00:27:33.932 --> 00:27:49.441
Also erstmal ganz klar das Bekenntnis, sich einzugestehen, dass man krank ist und dass der Mensch für sich diese Krankheit auch in sich verinnerlichen muss. Ich kann das an dem Beispiel meiner Gespräche schon sagen.

00:27:49.677 --> 00:27:55.441
Da waren auch schon Menschen dabei, die sind an sich selber frustriert, weil sie sich selber nicht eingestehen wollten, dass sie eine Krankheit haben.

00:27:55.880 --> 00:28:07.546
Weil diese Krankheit gesellschaftlich ja nicht wahrgenommen wird. Sie muss wahrgenommen werden. So war die Konferenz der Beginn einer öffentlichen Wahrnehmung, auch einer Strategie.

00:28:08.267 --> 00:28:10.643
Also Betroffene waren da, reden miteinander.

00:28:11.634 --> 00:28:17.755
Nochmal, dass da 30 vor der Tür stehen und sagen, es gibt gar kein Corona. Das muss doch auf tausend Menschen komisch wirken.

00:28:18.691 --> 00:28:27.484
Wenn ich mir angucke, was da in Hermsdorf rumläuft, was in Gera rumläuft und wie diese Menschen immer noch behaupten, das seien alles nur Erfindungen, mediale Erfindungen.

00:28:28.000 --> 00:28:32.321
Und dann sind da tausend und sagen, ich habe überhaupt keine mediale Erfindungen, ich habe was sehr Konkretes.

00:28:32.915 --> 00:28:45.221
Und das steht mit einem Virus zusammen, das als Zoonose von den Tieren auf die Menschen übergegangen sind sind und in dem Übergang dazu führt, dass diese menschlichen Körper erst mal durch,

00:28:46.044 --> 00:28:48.750
heftige Reaktionen darauf reagieren.

00:28:49.164 --> 00:29:00.822
Und dann entsteht ein Phänomen, dass dann nach, also in der nach viralen Erkrankung, eine Nachfolgerkrankung kommt, die offenkundig auch was mit Nerveneinschränkungen zu tun,

00:29:01.254 --> 00:29:07.331
hat, also mit den Nervenbahnen, mit den Kommunikationssträngen, die in meinem Körper ablaufen, die man,

00:29:07.964 --> 00:29:14.324
ja nicht sieht. Wir spüren sie nur, wo ein Schmerzpunkt ist oder so was.

00:29:15.163 --> 00:29:26.644
Aber wenn da noch genügend Menschen rumlaufen, dann gibt es alles gar nicht. Deswegen sage ich, ich möchte jeden ermutigen, sich seiner Krankheit gewahrt zu sein und,

00:29:27.316 --> 00:29:46.562
auch über seine Krankheit zu reden. Und ich möchte uns gesellschaftlich ermutigen, dass dass wir viel lauter denen die Stimme geben und auch den Platz einräumen, damit daraus auch ein Genesungsprozess oder ein Akzeptanzprozess entsteht, weil ich glaube auch, dass ein Großteil,

00:29:46.995 --> 00:29:51.406
von Begleitumständen vielleicht leichter ertragbar wären, wenn die Akzeptanz da ist.

00:29:52.621 --> 00:30:05.924
Und dieses Gefühl vom Arzt nicht ernst genommen zu werden oder vom Arzt rumgeschickt zu werden oder von einem zum anderen vom Pons zu Pilatus latschen zu müssen, das ist alles durchaus unangenehm.

00:30:05.924 --> 00:30:18.684
Und da kann ich uns nur allen die notwendige Kraft wünschen. Aber den Betroffenen kann ich nur auch weiterhin Mut zusprechen und sagen, das muss eine gesellschaftliche Aufgabe sein, dass wir das gemeinsam durchstehen.

00:30:18.684 --> 00:30:21.257
Die Pandemie mag als Pandemie vorbei sein.

00:30:21.764 --> 00:30:37.218
Die Nachfolgewirkung von dem Übergang einer Zoonose auf die Menschen Die werden wir nie mehr loswerden und insoweit werden wir auch weiterhin uns mit dieser Frage des Long-Covid-Syndroms aktiv, sehr aktiv und massiv auseinundersetzen.

00:30:38.461 --> 00:30:48.644
Herr Ramonow, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch, dafür, dass Sie die Zeit mit uns genommen haben. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Vielen Dank. Auf Wiedersehen. Und dann können wir uns gucken.
